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Tagebuch

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Montag, 17. August 2009 - 19:05 Uhr
Ich will mein Tagebuch mit der Geschichte "Wie der Regenbogen zu den Menschen kam" beginnen

Wie der Regenbogen zu den Menschen kam...

Es war einmal in einer Zeit weit vor der unseren, als der Regen noch nicht sauer war und die Sonne einem keine Melanome einbrachte, ein alter Mann, der vermutlich keinen wirklichen Namen hat, mir stellte er sich eines Tages mit Urobinqa vor. Er lebte in einer Höhle jenseits menschlicher Zeit und menschlichen Raumes und beobachtete die Welt, die Tiere und Pflanzen, die mit ihm waren. Das Branden des Meeres, das Knistern des Feuers, das Rauschen des Windes und die Vibration der Erde unter seinen Füßen lehrten ihn die Musik des Lebens. Seine Frau, die vermutlich keinen wirklichen Namen hat, mir stellte sie sich eines Tages mit Kachtemenia vor, spann aus den Farben der Jahreszeiten bunte Geschichten, vom ersten zarten Frühlingsgrün, über den weizengelben Sommer, das Rotbraun des Herbstes, bis zum Schneeweiß des Winters kannte sie sie
alle und wußte sie so miteinander zu verweben, dass bunte Muster und Farben in nie gekanntem Zusammenspiel entstanden. Eines Tages, als die Sonne schon tief stand, war es Urobinqa ganz unruhig zumute, seine Hände und Füße wollten sich unbedingt bewegen. Auch Kachtemenia schien sich noch nicht zur ruhe begeben zu wollen, immer wieder suchten ihre Augen, die auch in der Nacht sehen konnten wie die einer Eule, den dunkler werdenden Horizont ab. "Da kommt ein Sturm auf.", murmelte sie. "Ich will am Feuer noch ein paar Scheite nachlegen." Während sie dies tat, tat Urobinqua in die Höhle. "Der Wind hat einen seltsamen Geruch und es wird viel kälter draußen, als ich es kenne.", sagte er. "Ja, irgendetwas ist im Gange.", antwortete sie ihm. "Ich will ein Tuch weben, selbst wenn es draußen ganz dunkel wird." - "In meinem Herzen braust eine Melodie, vielleicht sollte ich singen.", erwiderte er. Und so rückten sie zusammen, wie sie es oft getan hatten, sie webte und er sang.
Es hätte alles sehr schön sein können und vielleicht wären die beiden nach einer Weile friedlich schlafen gegangen, wenn nicht plötzlich ein Schlag ertönt wäre, der selbst Himmel und Erde erzittern ließ. Danach ertönte von draußen ein einzelner Schrei, wie ihn die beiden nie gehört hatten. Er schien direkt von vor dem Eingang zu kommen. Sie sahen einander verwundert und ein wenig erschrocken an. Dann traten sie gemeinsam in den Eingang der Höhle hinaus. Sie staunten nicht schlecht, denn direkt vor ihren Füßen lag ein nacktes kleines Kind mit großen Augen. Es war noch nicht in dem Alter, wo die ersten Worte gesprochen werden und es war niemand zu sehen, der es dort abgelegt haben könnte. Ohne zu zögern nahm Kachtemenia das Kind und trug es in die Höhle. Sie bemerkte ein Ziehen in ihren Brüsten und stellte fest, dass sie das kleine Mädchen nähren konnte. Urobinqua spielte ein leises Schlaflied und Kachtemenia wickelte das Kind in das wärmste Tuch, dass sie finden konnte. So ging dreimal Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter dahin und die Kleine, die da so unerwartet bei den beiden angekommen war, wuchs und gedieh prächtig. Sie lernte sie als Vater und Mutter lieben und bekan alles, was sie brauchte, wenn auch nicht immer das, was sie wollte.
Da kam in einer Herbstnacht ein Mann geritten. Urobinqua und Kachtemenia kannten ihn nicht, doch er sah ihrem Ziehkind sehr ähnlich, war nur älter. Er erzählte ihnen, dass das Mädchen eigentlich seine Tochter sei, bei der Geburt der Kleinen sei die Mutter jedoch verstorben und er selbst habe sich im Krieg befunden.
Die beiden Zieheltern waren betrübt. Sie wollten die Kleine nicht hergeben, wußten jedoch auch, dass sie kein Recht hatten, das Kind von dem Mann zu trennen- wenn die Geschichte denn stimmte. Sie baten sich noch eine Woche Zeit aus und luden den Mann ein, in dieser Zeit ihr Gast zu sein. er willigte ein und Urobinqua und Kachtemenia prüften ihn sorgfältig. Sie sahen, dass er ihnen, soweit es ihm möglich war, zur Hand ging, liebevoll zu dem Kind war und es nicht an Freundlichkeit fehlen ließ. Urobinqua lauschte der Herzensmusik des Mannes und Kachtemenia blickte mit ihren tag- wie nachtsehenden Augen tief in seine Seele. Beide kamen zu dem Schluß, dass er kein Lügner war. Also war die Abreise des Kindes beschlossene Sache. "Welches Geschenk geben wir ihr mit, dass ihre Seele sich nicht ununterbrochen hersehnt und uns dennoch nicht vergißt?" fragten sich die beiden. "Alle Farben, die wir haben", antworteten ihre Seelen. Das war eine gute Idee und beide baten Sonne, Wasser, Feuer und Wind um ihre Mithilfe. Kachtemenia webte das schönste und bunteste Tuch aus allen Farben für die Kleine, dass sich wie eine zweite Haut an sie schmiegte. Urobinqua hingegen formte kleine runde Perlen aus Glas, in denen alle Farben wie Splitter funkelten und in denen sich Sonne und Regen brach schenkte sie Vater und Tochter.
So kam der Regenbogen zu den Menschen und mit ihm das Wissen, dass wir hier wie dort zu Hause sind...

Geschrieben von Glasperle am 12. September 2003
Shaman-Ca´s Wolfsfeuer - Talking Circle

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